Die kulinarische Reise nach Brasilien mit „Hamburg kocht!“

Letzen Samstag habe ich das erste Mal beim vierteljährlichen Kochtreffen, organisiert durch „Hamburg kocht!„, teilgenommen.
Es war ein wunderbarer 10-stündiger Koch-Marathon, wo uns Matheus das traditionelle Sonntagsessen seiner Heimat Brasilien näher brachte. Das aktuelle Wetter schien seiner Aussage nach perfekt zu passen. Denn auch in Brasilien soll es, kaum zu glauben, aber wahr, jeden Tag für ca. 1 Stunde heftig regnen. In dieser Zeit, wenn die Kinder nicht raus zum Spielen können, versüßen sich die Brasilianer den Tag mit zum Beispiel Karamellcréme, die eigentlich (so erfuhr ich von meiner brasilianischen Freundin später) zu extrem salzigen Käse gegessen wird. Anstatt des salzigen Käses gab es bei uns süße und salzige Pão de quejo, kleine leckere Käsebrötchen, die künftig auf keinem Party-Buffet fehlen dürfen. Denn die sind wirklich schnell und einfach zuzubereiten und schmecken sowohl warm als auch kalt.

Pão de queijo (Käsebrötchen)
Zutaten:

500 g gesäuertes oder gesüßtes Maniokmehl (Polvilho azedo oder Polvilho doce)
250 ml Wasser
250 ml Milch
150 ml Olivenöl
2 Eier
100 g geriebenen Käse (Queijo Minas, alternativ Mix aus Gouda und Pecorino)
Salz
Zubereitung:
Wasser, Milch und Öl zum Kochen bringen und vom Herd nehmen. Das Maniokmehl unterrühren bis ein fester Teig entsteht. Den Teig kneten, Eier und Käse unterheben, kleine Bällchen formen und auf ein Backblech legen. Bei 180°C (Umluft) ca. 20 Minuten goldbraun backen.

Gemeinsam mit Gojabada cascão (Guavengelee) und ein wenig Butter schufen diese Kleinigkeiten eine wunderbare Grundlage für unsere Caipis.

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Denn wir brauchten keine Angst haben auf dem Trockenen zu bleiben. Limetten für das brasilianische Nationalgetränk gab es in Hülle und Fülle, die zusammen mit weißem Rohrzucker und Velho Barreiro als Cachaça in unseren Gläsern Samba tanzten.
Diese willkommene Erfrischung wurde nach brasilianischem Originalrezept zubereitet und ist mit der in unseren deutschen Bars bekannten Variante nicht zu vergleichen. Aber vielleicht lag das ja nicht nur an den Zutaten, sondern auch ein wenig an unserer shakenden Fraktion. Denn wie Matheus scherzte, „dürfen in Brasilien nur die Männer und Omis Caipis zubereiten“. Aber wir merkten schnell, dass auch die Ungarn diesen in Vertretung großartig hinbekommen, wenn die brasilianischen Gauchos das Essen zubereiten müssen. 😉

Am Abend konnten wir endlich unser Tagwerk genießen, welches stundenlang vor sich hin köchelte. Denn Gut Ding will Weile haben. So auch unsere Feijoada mit Couve com bacon, Laranja fatias grossas, Mandioquinha frita, Farofa de Banana, Arroz und Molho de Pimenta.

Feijoada
Zutaten (12 Portionen):

1 kg Schwarze Bohnen
500 g Carne seca
1 kg geräucherten Bauchspeck
2 Schweineohren
1 Schweineschwanz
1 Schweinefuß
600 g geräucherte Schweinerippchen
600 g Mettenden
6 Knoblauchzehen
4 Zwiebeln
Salz
Pfeffer
Kreuzkümmel
6 Lorbeerblätter
Öl
Zubereitung:
Schwarze Bohnen am Vortag verlesen, waschen und über Nacht in viel Wasser einweichen. Parallel das Carne seca einweichen, dabei aber das Wasser mehrfach wechseln. Bauchspeck, 6 Knoblauchzehen und 4 Zwiebeln würfeln. 200g Speck für die Beilagen beiseite stellen. Carne seca, Rippchen und Mettenden in Stücke teilen. Schweineohren, -schwanz und –fuß für ca. 20 Minuten in Wasser kochen. Währenddessen Zwiebeln, Knoblauch und Speck in Öl andünsten. Anschließend portionsweise das Fleisch (ohne die Mettenden) hinzugeben und von allen Seiten anschmoren. Die Bohnen samt Sud zum Fleisch geben und alles 1 ½ – 2 Stunden köcheln lassen, regelmäßig umrühren, mit Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und Lorbeer abschmecken und das aufsteigende Fett abschöpfen. Gelegentlich sollte man prüfen, ob noch etwas Wasser dazu gegeben werden muss. Ist die Garzeit zu Ende und der Eintopf zu suppig, sollte man ihn etwas abschöpfen, pürieren und wieder in den Topf geben.

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Dazu gab es viele leckere Beilagen, die in der Zwischenzeit zubereitet wurden.

Mandioquinha frita
Zutaten (12 Portionen):

4 – 5 Maniokwurzeln (je nach Größe)
Öl
Zubereitung:
Maionkwurzeln schälen, in fingergroße Stifte schneiden, ca. 20 Minuten kochen, abkühlen lassen und den holzigen Kern entfernen, anschließend in heißem Öl frittieren, auf Küchenkrepp abtropfen lassen und bis zum Servieren warm stellen.

Molho de Pimenta
Zutaten (12 Portionen):

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Öl
3 Tomaten
Cachaça
3 getrocknete Chilischoten (Piri Piri)
Salz
Pfeffer
Zubereitung:
1 Zwiebel und 2 Knoblauchzehen fein würfeln und in ein wenig Öl glasig dünsten. Gewürfelte Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch in eine Schüssel geben, Chilischoten dazu bröseln sowie einen Schuss Cachaça hinzufügen. Alles gut verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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Farofa de Banana
Zutaten (12 Portionen):

100 g Speck
Butter
1 kg Maniokmehl
5 Bananen
1 Bund Glatte Petersilie
Zubereitung:
100 g Speck klein würfeln und mit etwas Butter in einer Pfanne anbraten. Maniokmehl zugeben und rösten. Bananen in Stücke schneiden, unterheben und warm ziehen lassen. Petersilie fein hacken und vor dem Servieren unterheben.

Couve com bacon
Zutaten (12 Portionen):

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
100 g Speckwürfel
Öl
750 g Couve (brasilianischer bzw. portugiesischer Grünkohl)
Zubereitung:
1 Zwiebel und 2 Knoblauchzehen fein würfeln, mit 100 g Speckwürfeln in Öl anbraten. Grünkohlblätter sowie zarte Stielbestandteile in feine Streifen schneiden und kurz in der Zwiebel-Speck-Mischung (nicht zu lange) andünsten, damit die dunkelgrüne Farbe des Kohls erhalten bleibt.

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Laranja fatias grossas
5 Orangen filetieren und beiseite stellen.

Arroz
500 g Reis kochen.

Zum Servieren die Fleischstücke aus dem Eintopf nehmen und auf eine Platte geben. Die Beilagen in Schüsseln und auf Platten anrichten.

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Das schöne bunte Sonntagsessen war ursprünglich, wie so oft, ein „arme Leute“ (Sklaven) Mahl. Heute ist es eine traditionelle Spezialität auf die die Brasilianer stolz sind, da kein anderes Gericht so sehr an die Entwicklung des Landes erinnert, wie dieses.
Um die Geschichte rund um die Feijoada zu vergegenwärtigen, hatte Matheus ein paar Kärtchen vorbereitet, die wir uns reihum vorlasen. Dabei erfuhren wir auf interessanter Art und Weise, wie das Gericht einer Sage nach mit der Entstehung einer weiteren Tradition, dem Capoira, verbunden ist.
Verhungern sollten wir an dem Abend nicht, denn wir hatten Essen im Überfluss, welches wir am Ende aufteilten und mit nach Hause nahmen. Denn dem Hauptgericht folgte noch eine kleine leckere Dessertauswahl. So gab es Mousse de Maracujá, Manjar de Côco und Avocadocreme.

Mousse de Maracujá
Zutaten (6 bis 8 Portionen):

400 ml „Milchmädchen“ (gezuckerte Kondensmilch)
400 ml Sahne
400 ml Suco de Maracujá
evtl. Zucker
5 Maracuja
Zubereitung:
Kondensmilch, Sahne und Suco de Maracujá in eine Schüssel geben, mit einem Mixer aufschlagen, abschmecken und evtl. etwas süßen.
Die Mousse in Gläser füllen, ein paar Stunden kalt stellen und vor dem Servieren mit Fruchtfleisch aus der Maracuja garnieren.

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Manjar de Côco
Zutaten (8 bis 10 Portionen):

1 l Milch
400 ml Kokosmilch
100 g Kokosflocken
6 – 8 EL Maisstärke
6 – 8 EL Zucker
Zubereitung:
Maisstärke in etwas Milch verrühren, bis sich alle Klümpchen aufgelöst haben. Die restlichen Zutaten im Topf aufkochen lassen, vom Herd nehmen und die Maisstärke einrühren. 1 Minute rühren, bis eine Bindung entsteht. Die Masse in die Puddingform(en) füllen und mindestens zwei Stunden kaltstellen. Abschließend die Förmchen stürzen und mit Pflaumenkompott oder anderem Obstkompott servieren. 

Avocadocreme
Zutaten (8 bis 10 Portionen):

3 Avocado
400 ml „Milchmädchen“ (gezuckerte Kondensmilch)
1 Limette (Schale und Saft davon)
Zubereitung:
Fruchtfleisch pürieren, in eine Schüssel geben, mit Kondensmilch aufschlagen, mit Limette abschmecken und bis zum Servieren kaltstellen.

Danke an Matheus für die leckeren Rezepte, Sabine für die Organisation und Heidi, die ihre großartige Wohnung zur Verfügung gestellt und uns mit ihrem farbenfroh gedeckten Esszimmertisch die Sonne Brasiliens ins verregnete Hamburg gezaubert hat.

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